Wenn ich Interessenten die Technik einer Regenwasseranlage erläutere, kommt dann irgendwann auch das Thema Trinkwassereinspeisung. An dieser Stelle ernte ich zunächst verwunderte Blicke: Warum gehört eine Trinkwassereinspeisung zu einer seriösen Regenwasseranlage, warum sollen wir Trinkwasser in die Regenwasserzisterne einspeisen? Die gesamte Regenwasseranlage dient ja nur einem einzigen Zweck: Trinkwasser sparen. Warum sollen wir also Trinkwasser dahin fließen lassen wo sonst Regenwasser ist.
Mit der Regenwasseranlage werden im Haus Toilettenspülung und Waschmaschine versorgt. Wenn die Zisterne einmal leer ist, dann sollen trotzdem alle Verbraucher, also Tooilettenspülung und Waschmachine weiter funktionieren, ohne dass dazu ein manueller Eingriff erforderlich wäre. Dazu ist es notwendig, auf eine andere Wasserqualität zurückzugreifen, wenn kein Regenwasser mehr vorhanden ist. Dies ist dann in der Regel Trinkwasser.
Eine automatische Trinkwassereinspeisung funktioniert so, dass bei fast leerer Zisterne (Füllstand ungefähr bei 30 cm) entweder Trinkwasser über einen freien Auslauf in die Zisterne fließt oder über einen kleinen Zwischenbehälter in die Pumpe.
Auf keinen Fall darf die Regenwasserleitung direkt mit der Trinkwasserleitung verbunden werden. Dies untersagt der Gesetzgeber zum Schutz des Trinkwassers strikt. Eine feste Verbindung, auch wenn sie mit Rohrtrenner oder Rückschlagventil ausgestattet ist, ist auf jeden Fall gesetzwidrig.
Falls man auf eine Trinkwassereinspeisung verzichten möchte oder aber die vorhandene Trinkwassereinspeisung außer Betrieb setzt, so wird folgendes passieren: Die Zisterne wird irgendwann leer sein. Dies muss kein trockener Sommer sein, es kann auch ein strenger Winter oder ein nahezu niederschlagsfreier November sein. Auf jeden Fall wird bei so gut wie allen Anlagen vorkommen, dass die Zisterne einmal leer ist. Dann saugt die Pumpe so lange Wasser, wie es so eben geht. Zum Schluss liegt der Schlauch der schwimmenden Entnahmeleitung auf dem Boden, da wo sich die Sedimentschicht gesammelt hat. Weil der Füllstand der Zisterne immer weiter sinkt saugt die Pumpe auch die Sedimente an, welche dann in der Pumpe oder im Leitungsnetz zu Problemen führen können. Irgendwann aber ist der Luftanteil in der Saugleitung so groß, dass die Pumpe nichts mehr fördert. Bei einer modernen Pumpe mit Schaltautomat wird die Pumpe dann auf Störung gehen und sich abschalten. Um die Pumpe wieder in Betrieb nehmen zu können muss man zunächst die Zisterne und dann die Pumpe und die Saugleitung mit Wasser füllen. Dann muss die gesamte Anlage auf korrekten Betrieb untersucht werden. Bei Pumpen ohne Schaltautomaten wird sich die Pumpe wahrscheinlich gar nicht abschalten und so lange laufen bis man entweder die Stromzufuhr unterbindet oder die Pumpe an Überhitzung zugrunde geht.
So oder so, man handelt sich nur Probleme ein und hat doch letzten Endes nichts gewonnen. Denn für den Betrieb von Toilette und Waschmaschine ist nach wie vor Wasser notwendig. Die Trinkwassereinspeisung ist also nicht dafür da, um Wasser zu vergeuden, sondern nur, um das Trinkwasser möglichst effektiv da zur Verfügung zu stellen, wo es benötigt wird.